Donnerstag, August 11, 2016

Reise ins Ungewisse von Anyah Fredriksson

Auf der See wehte ein heftiger Sturm. Das Schiff, der Segler „Lord Cunningham“, brach mit lautem Getöse in die Wellen hinein. Die junge Komtesse Katja hockte verängstigt am Kopfende ihres Bettes, dicht an die Wand gepresst, die Decke über ihr Gesicht gezogen. Musste ihr neues Leben so stürmisch beginnen? Ihr Vater Graf Nikolaus Esterházy erwartete sie in Argentinien. Seine Geschäfte forderten ihn zu Hause, war er doch dabei, das Familienimperium auszubauen, die Rinderfarm hatte schon beachtliche Größe angenommen. So konnte er seine Kleine - er nannte sie noch immer so, obwohl sie mit 16 Jahren schon eine junge Dame war - nicht von Bremerhaven abholen. Ihre Gouvernante brachte sie also zum Hafen und bestach den Kapitän mit einer großen Summe an Geld, so nahm er sie mit, doch sie war in keiner Passagierliste erfasst. Jetzt Ende des Jahres 1816 sah es schlecht und bitter aus in Mittel-Europa, die Hungerkatastrophe befand sich auf ihrem Höhepunkt. Die Menschen versuchten zu fliehen so lange sie noch konnten, so lange sie noch etwas Geld übrig hatten, in die Neue Welt, Nord- oder Südamerika auszuwandern. Armut machte die Menschen bösartig. So war sie nicht nur wegen der unruhigen See verängstigt, sondern auch vor Übergriffen ihrer Mitreisenden. Sah man ihr doch ihren Stand an, ihr gepflegtes Äußeres, ihre elegante Kleidung. Doch glücklicherweise hielt der Kapitän sich an sein Versprechen, das er ihrer Gouvernante zuvor in Bremerhaven gab, sie durfte in seiner Kabine unbehelligt von anderen Passagieren Zuflucht suchen. Ihr war übel, sie war tatsächlich seekrank, gleichzeitig begann sie jedoch hungrig zu werden. Doch es hieß auszuharren, ihr Geheimnis zu wahren. Sie konnte in diesem Zustand unmöglich ihre Kabine verlassen, sie musste warten ...

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